Komplementärmedizin – eine Konkurrenz zur Schulmedizin?

Seit Jahren ist ein deutlicher Anstieg komplementärmedizinischer Behandlungsmethoden in der Krebstherapie zu beobachten. Studien zufolge haben in Deutschland bereits mehr als 50 % der Krebspatienten Erfahrungen mit diesem Bereich der Medizin gemacht. Doch kaum ein Thema wird selbst unter Fachleuten so strittig diskutiert wie komplementäre Heilmethoden in der Krebstherapie.

Befürworter sehen darin eine Form  sanfter und natürlicher Behandlungmöglichkeiten. Die klassische Schulmedizin kritisiert mitunter die fehlende Evidenz und das Defizit an Studien bei der Anwendung komplementärer Methoden.

Was versteht man unter Komplementärmedizin?

„Komplementär“ bedeutet Ergänzung. Hierbei handelt es sich um ergänzende Maßnahmen zur schulmedizinischen Behandlung. Das Ziel ist vorrangig, die Therapie zu unterstützen, indem Nebenwirkungen gemildert werden und sich der Patient während der Behandlung besser fühlt. Hierbei werden bevorzugt Verfahren genutzt, bei denen es wissenschaftlich begründete Hinweise auf ihre Wirksamkeit bei bestimmten Krankheitsbildern gibt. Diese Entwicklung spiegelt den Wunsch der Patienten wieder, das mögliche Behandlungsspektrum zu erweitern und konventionelle mit alternativer Medizin zu kombinieren. Keineswegs darf komplementäre Therapie mit einer alternativen Therapie, die eine klassische Behandlung ersetzen soll, verwechselt werden.

Was sind komplementärmedizinische Behandlungsmethoden?

Das Angebot alternativer Medizin ist stetig zunehmend und sehr differenziert. Die  Weltgesundheitsorganisation (WHO) wählte eine Klassifikation, die einen Einblick zu den verschiedenen  Angeboten vermittelt. Die Heilverfahren werden dazu in fünf sich teilweise überschneidende Gruppen aufgeteilt:

  • Tradierte Medizin-Systeme befassen sich mit Methoden, die sich teilweise über mehrere tausend Jahre vor oder parallel zur traditionellen westlichen Medizin entwickelt haben. Hier sind die Anwendungen der klassischen und erweiterten Naturheilkunde, wie die chinesische Medizin (TCM) oder Ayurveda, vertreten.
  • Biologische Therapien beschäftigen sich mit natürlichen Substanzen wie Kräutern und aromatischen Pflanzenölen. Dazu gehören die Phytotherapie, die Aromatherapie sowie spezielle Diäten oder Vitaminpräparate.
  • Manipulative, körperbezogene Therapien basieren auf manueller Beeinflussung eines oder mehrerer Körperbereiche. Hierzu zählen unter anderem die Chirotherapie oder die Osteopathie.
  • "Körper-Geist-Therapien" nutzen eine Vielfalt von Varianten. Sie sollen die Fähigkeit des Geistes, körperliche Funktionen und Symptome zu beeinflussen, steigern. Yoga, Shiatsu, Muskelentspannung nach Jacobson sind einige bekannte Vertreter.
  • „Energie-Therapien" arbeiten mit magnetischen, auch körpereigenen elektromagnetischen Feldern.

Warum entscheiden sich Patienten für Komplementärmedizin?

Die individuellen Beweggründe, ergänzende Heilmethoden anzuwenden, sind vielseitig. Grundlegend ist zunächst, dass sich Betroffene im Vorfeld intensiv mit ihrem Körper, der Krankheit und dem Angebot ergänzender Therapien auseinandergesetzt haben. Ihr Anliegen ist es, Wohlbefinden und Gesundheit zu verbessern sowie Symptome zu reduzieren, die in der Krebstherapie häufig mit den Nebenwirkungen der Behandlungen verbunden sind. So kann Akupunktur unter Umständen Schmerzen nach einen operativen Eingriff oder Chemotherapie lindern und somit die Dosis von schmerzstillenden Medikamenten vermindert werden. Betroffene erfahren durch die Möglichkeiten ergänzender Methoden eine stärkere Kontrolle über ihren Allgemeinzustand und vertreten eine ganzheitliche Gesundheitsphilosophie. Es steht hierbei nicht direkt die Heilung im Vordergrund, sondern vielmehr eine Art und Weise, mit der Erkrankung zu leben.

Wer bietet Komplementärmedizin an?

Komplementärmedizinische Methoden werden nicht nur von Ärzten angeboten, sondern auch von Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, wie Heilpraktikern, Osteopathen, Physiotherapeuten, Gesundheitspflegern oder Psychotherapeuten. Achten Sie darauf, dass Sie nur von Ärzten oder Therapeuten mit entsprechenden Qualifikationen behandelt werden, denn eine Anwendung naturheilkundlicher Methoden bedarf weder einer medizinischen Ausbildung noch eines Abschlusses! Beraten Sie sich unbedingt mit Ihren bisherigen Ärzten! Holen Sie sich eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung ein! Ansprechpartner können das nächstgelegene Tumorzentrum oder spezialisierte Krebszentren sein. Weitere Möglichkeiten nennen Ihnen Ihre Krankenkasse oder auch der Krebsinformationsdienst.

Sind komplementäre Heilmethoden ungefährlich?

Wo es eine Wirkung gibt, kann es auch zu Nebenwirkungen kommen. Die Menge ist entscheidend. Wichtig ist es, den eigenen Körper zu beobachten. Kräuter oder ätherische Öle können in konzentrierter Form allergische Reaktionen hervorrufen oder eine zu intensive Akupunktur Kreislaufbeschwerden verursachen. Auch Wechselwirkungen der Substanzen mit Krebstherapien sind möglich und sollten im Vorfeld ausgeschlossen werden. Gefährlich sind komplementärmedizinische Methoden, wenn Therapeuten ohne oder mit mangelnder medizinischer Kompetenz in laufende schulmedizinische Behandlungen eingreifen wollen oder gar zu einem Abbruch raten, weil die bisherigen Therapien nicht zu ihrer Behandlungsphilosophie passen. Auch wenn die Schulmedizin oft im Widerspruch zur Naturheilkunde zu stehen scheint, ist es nie sinnvoll, therapeutisches Handeln eigenmächtig abzubrechen. Im schlimmsten Fall kann dies den Gesundheitszustand des Patienten dramatisch verschlechtern und tödlich enden.

Welche prognostische Einschätzung zum Einsatz von Komplementärmedizin liegt vor?

In einer aktuell publizierten Studie (Complementary Medicine, Refusal of Conventional Cancer Therapy, and Survival Among Patients With Curable Cancers, Skyler B. Johnson, MD) wurde das Risiko der Therapieabbrüche durch das Ersetzen der Schulmedizin durch komplementäre Medizin herausgestellt. So lag das 5-Jahresüberleben im schulmedizinischen Studienarm bei 86,6% während im kombinierten Arm aus Schulmedizin und komplementärer Medizin nur 82,2% nach 5 Jahren noch überlebten. Hauptursache waren die Verweigererquoten. Sie betrugen bei im  kombinierten Studienarm gegenüber dem rein schulmedizinischen Studienarm bei Operationen 7,0 vs. 0,1 Prozent, bei Strahlentherapien 53,0 vs. 2,3 Prozent, bei Chemotherapien 34,1 vs. 3,2 Prozent und bei Hormonbehandlungen 33,7 vs. 2,8 Prozent.

Bitte sprechen Sie uns ganz offen über die geplante komplementäre Medizin an und wir treffen dann eine gemeinsame Entscheidung zu ihrem Vorteil.

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