Was gab es Neues im Jahr 2017?

2017 gab es in der Onkologie wieder spannendende Themen.

Einige haben wir in unserem Blog auch zum Thema gemacht, wie etwa die Diskussion um Methadon als Wirkstoff gegen Krebs oder die Frage, ob Krebs einfach nur ein zufälliges Ereignis ist. Wir berichteten auch von den neuen Erkenntnissen, die auf den großen Kongressen zur Debatte standen.
Doch es gab auch wichtige andere Themen im vergangenen Jahr. Drei Aspekte möchten wir Ihnen heute zusammenfassen.

PSA-Test rehabilitiert

„Der PSA-Test bringt keinen Nutzen“, so das Ergebnis einer Studie aus dem Jahre 2009. Man hatte verglichen, wie hoch die Mortalität am Prostatakarzinom ist, wenn Männer den PSA-Test durchführen im Vergleich zur Sterberate bei Männern, die sich dem PSA-Screening nicht unterziehen. Das Ergebnis lautete: es gibt keinen Unterschied. Dieses Ergebnis führte in den USA dazu, dass der PSA-Test nicht als Vorsorgemethode empfohlen wurde.
2016 wurde die Studie neu evaluiert, weil sich im Nachhinein herausstellte, dass die Vergleichsgruppen zu ähnlich waren: von den Männern, die in der Gruppe ohne PSA-Screening befanden, hatten viele am Ende doch einen Test gemacht und auch danach gehandelt. Ganz klar: wenn alle gleich handeln, kann es keine Unterschiede im Ergebnis geben.
Die Studie wurde somit zurück gezogen und der PSA-Test rehabilitiert, zunächst in den USA und nun auch in Deutschland. Eine retrospektive Studie aus Schweden hatte auch in der Zwischenzeit gezeigt, dass der Test ab einem Alter von etwa 45 Sinn machen kann. Entscheidend ist dann allerdings nicht der bloße Wert in diesem Alter, sondern die Veränderung der Werte in den Untersuchungen der Folgejahre.

Immuntherapien, die enttäuschten

Viele Studien zu Immuntherapien sahen am Anfang so viel versprechend aus: Mehr Patienten überleben mit dem neuen Medikament die ersten 5 Jahre nach der Diagnose. Doch bereits 2016 zeigten einige dieser Hoffnungsträger in der breiteren Anwendung stärkere Nebenwirkungen. Häufiger als in den Studien führten diese dazu, dass die Patienten die Therapie abbrachen. Trotzdem ist die Immuntherapie im Vergleich zur konventionellen Chemotherapie deutlich verträglicher. Allerdings sind insbesondere die Kombinationen von Immuntherapien nur von Experten durchzuführen.
Im Jahr 2017 wurden auch Studien abgebrochen, weil der Nutzen der neuen Immuntherapie im Vergleich zur Standard-Chemotherapie nicht gezeigt werden konnte.
Gescheitert sind:

  • Durvalumab (Imfinzi) und Tremelilumab bei metastasiertem Lungenkrebs
  • Pembrolizumab (Keytruda) für wiederkehrende Kopf-Hals-Tumore
  • Atezulizumab (Tecentiq) für lokal fortgeschrittenen Urothel-Krebs. 

Zwar zeigt sich erneut, dass ein bestimmter Anteil an Patienten von dieser Therapie profitiert, allerdings waren das im Durchschnitt nur ca. 20% der Studienteilnehmer. Da es allerdings keine Tests gibt, die uns aktuell aufzeigen, welcher Patient gut auf die Medikation anspricht, besteht weiterhin eine große Unsicherheit über die Auswahl der Medikation.

Immuntherapie Pembrolizumab als Erstlinientherapie bei Lungenkrebs zugelassen

Nur weil ein Medikament in einer Studie nicht ausreichend wirkt, heißt das nicht, dass es gar nicht wirkt: Pembrolizumab  (Anti-PD-1-Inhibitor) zeigte zwar gegen wiederkehrende Kopf-Halstumore keine Vorteile gegenüber der Standardtherapie (s.o.), als Erstlinientherapie beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom dagegen schon. Es verlängerte – wenn als einziges Medikament verabreicht - in der Studie das Überleben der Patienten um über 4 Monate auf 10,3 Monate im Vergleich zur platinhaltigen Chemotherapie. Nach 12 Monaten waren noch 48% der Studienteilnehmer progressionsfrei, im Vergleich zu 15% in der Gruppe der Studienteilnehmer, die die Standard-Chemotherapie erhielten.

Insgesamt kann man sagen, dass die Immuntherapien in diesem Jahr für weitere Nachrichten sorgen werden. Angesichts der Vielzahl von aktuell laufenden Studien bleibt abzuwarten, welche die Krebstherapie in der Zukunft verändern werden.

 


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